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12. Juli 2012

"Es ist ein gutes Gefühl, zufriedenen Patienten zu begegnen"


Akut-Geriatrie-Station des Uniklinikums Dresden besteht zehn Jahre / Bisher 4.800 erkrankte Senioren interdisziplinär betreut

Mit dem Aufbau einer akutgeriatrischen Station hat sich das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden frühzeitig auf die zunehmende Zahl älterer Menschen in der Gesellschaft eingestellt: Bereits vor zehn Jahren nahm diese fachübergreifend arbeitende Station die ersten Patienten auf. Internisten, Neurologen und Psychiater arbeiten hier Hand in Hand, um die Senioren mit oft variablen Krankheitsbildern möglichst optimal und ganzheitlich zu behandeln. Voraussetzung ist, dass die Patienten vor der Einliefe­rung ins Klinikum weitestgehend mobil und aktiv waren. Ziel des vor allem aus Ärzten, Pflegepersonal und Physiotherapeuten bestehenden Personals ist es, den Senioren nach der Krankenhausbehandlung eine Rückkehr in ihr bisheriges Umfeld zu ermöglichen. Die 18-Betten-Station betreut jährlich zwischen 450 und 500 Patienten mit vorwiegend neurolo­gischen, psychiatrischen und internistischen Krankheiten sowie Senioren, die akut pflegebedürftig geworden sind. In den ersten zehn Jahren ihres Bestehens waren es insgesamt 4.800 Patienten.

„Die Akut-Geriatrie-Station markierte 2002 den Beginn des Aufbaus fachübergreifender Strukturen am Universitätsklinikum. Sie ist ein Beleg für eine gut funktionierende interdisziplinäre Zusammenarbeit, die in den vergangenen Jahren in nahezu allen Klinikumsbereichen etabliert wurde“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. Mit dem Universitäts KrebsCentrum (UCC) und den vier ihm angegliederten vier Unterzentren gilt die Dresdner Hochschulmedizin als Vorreiter einer interdisziplinär ausgerichteten Maximalversorgung der Patienten. Der Gründung des UCC folgten in den vergangenen Jahren fünf weitere Zentren, die unter anderem Patienten mit Allergien, Gefäßerkrankungen oder chronischen Schmerzen behandeln. Zudem werden am Klinikum unter anderem auch Notaufnahmen, Intensivstationen und Diagnostikbereiche interdisziplinär betrieben.

„Unsere Patienten der Akut-Geriatrie leiden meist an verschiedenen Einzelsymptomen, die in ihrer Kombination typisch für ältere Menschen sind, ihre jeweilige Ursache jedoch in verschiedenen Krankheiten haben oder haben können. Die Behandlungsschwerpunkte dieser Spezialstation liegen bei den internistischen, neurologischen und oder psychiatrischen Erkrankungen“, sagt Prof. Dr. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, zu der die Akut-Geriatrie gehört. Geleitet wird die Station von der Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin sowie Geriatrie, Dr. Gabriele Krumpolt: „Unsere Station bietet älteren, akut erkrankten Patienten, die bisher weitestgehend mobil und aktiv waren, ein auf ihre Bedürfnisse spezialisiertes Behandlungszentrum. Dabei ist es vor allem der interdisziplinäre Ansatz, der unser Programm seit zehn Jahren so erfolgreich macht.“ Hier arbeiten Internisten, Neurologen und Psychiater Hand in Hand, um den Patienten mit oft variablen Krankheitsbildern eine möglichst optimale, ganzheitliche Therapie zu bieten.

Den Patienten die Angst vor dem Krankenhaus nehmen

Zu den typischen Krankheitssymptomen der älteren Patienten gehören die verschiedenen Arten von Demenz, Einschränkungen der Sinne wie Hören, Sehen, Tasten oder des Gleichgewichts. Weitere Symptome sind die Folgen von Schlaganfällen, Instabilität oder Schwindel sowie Inkontinenz und der allmähliche Verlust von Flüssigkeit im Gewebe. Doch die Patienten von Oberärztin Gabriele Krumpolt haben auch Krankheiten, die nicht unbedingt altersbedingt sind wie Meningitiden – Entzündungen der Hirn- und Rückenmarkshäute – oder HIV-Infektionen. Darum steht für das Team der Akut-Geriatrie eine individuell auf jeden Patienten zugeschnittene Behandlung im Vordergrund. „Bereits bei der Aufnahme vermitteln wir unseren Patienten eine entspannte Atmosphäre, um ihnen die Angst vor dem Krankenhaus zu nehmen. Die meisten Patienten sind sehr zufrieden mit der intensiven Betreuung, die sie in unserem Hause erhalten“, so die Leiterin der Akut-Geriatrie. „Inzwischen sind wir auch für viele Kliniken in und um Dresden eine gefragte Station. Von dort erreichen uns regelmäßig Anfragen zur Übernahme von Patienten mit meist längerem Krankheitsverlauf.“ Diesen Erfolg sieht Oberärztin Krumpolt in der guten Teamarbeit aus Medizinern, Schwestern, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern begründet, die sich gemeinsam um das Wohl der Patienten kümmern.

Angehende Fachärzte erleben interdisziplinäres Arbeiten

Und auch die oft jungen Ärztinnen und Ärzte, die aus den verschiedenen medizinischen Fachrichtungen kommen und einige Monate auf der Akut-Geriatrie hospitieren, finden die Arbeit mit den alten Menschen nach anfänglicher Skepsis zumeist spannend und interessant. „Es ist der besondere interdisziplinäre Ansatz, der die Arbeit in der Geriatrie so fruchtbar für die Medizinerausbildung macht“, so Dr. Gabriele Krumpolt. Dass die Medizinerin die Arbeit mit den alten Menschen liebt, merkt man ihr an. „Sie leben uns vor, was auch uns später erwartet. Es ist ein gutes Gefühl, zufriedenen Patienten zu begegnen.“

Geriatrie – spezielle Medizin für ältere Menschen

In einer Gesellschaft, in der es immer mehr ältere Menschen gibt, steigt die Bedeutung der geriatrische Medizin zunehmend. Die Geriatrie ist die Lehre von den Krankheiten des alternden Menschen. Die Gesellschaft wird immer älter, wie die demografische Entwicklung zeigt und für die Zukunft prognostiziert wird. Doch mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko für schwere sowie Mehrfach-Erkrankungen. Geriatrie ist die medizinische Spezialdisziplin, die sich um eine ganzheitliche Behandlung alter Menschen mit Mehrfach-Erkrankungen bemüht und dabei den Blick auf die körperlichen, geistigen und sozialen Bedingungen von akuten, chronischen, rehabilitativen oder präventiven Behandlungen der Patienten richtet. Der Begriff Geriatrie für die Lehre und Behandlung von Krankheiten des alternden Menschen hat sich vor fast hundert Jahren in der Medizin etabliert: 1914 prägte der Wiener Arzt Ignatz Leo Nascher den Begriff in seinem Lehrbuch „Geriatrics: The diseases of old age and their treatment“.

Quelle: Medieninformation des Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden vom 11.07.2012