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12. Januar 2011

BMBF-Gesundheitsforschungsprogramm 2011 - Gesundheit für alle


Mit dem Rahmenprogramm Gesundheitsforschung richtet die Bundesregierung ihre Förderung der medizinischen Forschung neu aus. Der Schwerpunkt liegt künftig auf der Erforschung besonders häufiger Krankheiten und der Vernetzung von Wissenschaft und Praxis. Forschungsergebnisse sollen so schneller zu Verbesserungen für die Patienten führen.

Forschung in der Praxis

Alt zu werden und gesund zu bleiben ist ein gesellschaftliches Anliegen, welches in den vergangenen Jahrzehnten durch verbesserte Lebensbedingungen und eine gute medizinische Versorgung bedeutende Fortschritte gemacht hat. Gleichwohl stellt der demografische Wandel die Gesundheitsforschung und das Gesundheitssystem in Deutschland vor große Herausforderungen. Bis zum Jahr 2050 wird die deutsche Bevölkerung nach jetzigem Kenntnisstand von heute ca. 82 Mio. auf ca. 70 Mio. Menschen sinken. Dabei wird der Anteil an älteren Menschen in der Bevölkerung wachsen. Gleichzeitig ist prognostiziert, dass im Zusammen-hang mit der steigenden Lebenserwartung und der Überalterung unserer Gesell-schaft die Zahl der Menschen, die an Krebs, neurodegenerativen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, zunehmen wird; ebenso wird die Häufigkeit von chronischen Mehrfach-Erkrankungen zunehmen, so dass insgesamt mit einem steigenden Bedarf an medizinischen und pflegerischen Leistungen zu rechnen ist. Die finanziellen Ressourcen, die für diese Entwicklung zur Verfügung stehen, sind allerdings begrenzt.
 
Gesundheitsforschung und Gesundheitssystem stehen vor der Aufgabe, medizini-schen Fortschritt auch künftig für alle zu ermöglichen und gleichzeitig die Kosten für die Solidargemeinschaft finanzierbar zu halten.

Vor diesem Hintergrund legt die Bundesregierung mit dem neuen "Rahmenprogramm Gesundheitsforschung" die Basis für die Ausrichtung der medizinischen Forschung in den kommenden Jahren. Das Programm gibt den Rahmen für die Förderung der Gesundheitsforschung an Hochschulen, Universitätskliniken und außeruniversitären durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung vor. Es hat eine achtjährige Laufzeit.

Ein Leitgedanke des gemeinsamen Rahmenprogramms des Bundesforschungsmi-nisteriums (BMBF) und des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) ist es, For-schungsergebnisse noch schneller aus der Grundlagen- und der klinischen For-schung in die medizinische Regelversorgung und damit zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. Dieser als Translation bezeichnete Prozess wird durch das neue Programm beschleunigt.

Eine herausgehobene Stellung kommt der Erforschung der großen Volkskrankheiten zu - es besteht große Hoffnung, durch Forschung neue Ansätze für Prävention und Behandlung zu eröffnen. Um dies zu ermöglichen, baut die Bundesregierung zu sechs Volkskrankheiten Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung auf. Mit der Errichtung der Deutschen Zentren werden die bisherigen Grenzen des Wissenschaftssystems überwunden, da die jeweils besten Forschungsgruppen aus Hochschulmedizin und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammen gebracht werden. Dies gibt wichtige Impulse zur Mobilisierung von Innovationspotenzial und zur Zusammenführung der fragmentierten medizinischen Forschungslandschaft.

Daneben rückt das Rahmenprogramm die Individualisierte Medizin, die Präventions- und Ernährungsforschung, die Versorgungsforschung und eine globale Kooperation in den Fokus der Gesundheitsforschung.

Ein besonderes Aktionsfeld stellt die Gesundheitswirtschaft dar: Sie ist schon heute mit einem Jahresumsatz von rund 263 Mrd. € und 4,7 Mio. beschäftigten Menschen einer der vielseitigsten, größten und erfolgreichsten Zweige der deutschen Wirt-schaft. Dabei bietet sie überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze für gut ausgebildete Fachkräfte, die insbesondere im Bereich von Forschung und Entwicklung Garant für wirtschaftlichen Erfolg sind. Die deutsche Gesundheitswirtschaft ist in vielen Sparten gut aufgestellt, birgt aber auch ungenutzte Potentiale, beispielsweise in der Entwicklung pharmazeutischer Produkte, aber auch in der überwiegend starken Medizintechnik. In der Stärkung der Gesundheitswirtschaft liegt ein weiterer Schwerpunkt.

Seitens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) stehen für die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung in den kommenden vier Jahren mehr als 500 Mio. Euro zur Verfügung, für die Aktivitäten der Projektförderung mehr als 1,5 Mrd. Euro. Hinzu kommen erhebliche Beträge für die institutionelle Förderung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen durch das BMBF im Bereich der Gesundheitsforschung und für die Förderung der Gesundheitsforschung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Insgesamt stellt das BMBF der Gesundheitsforschung damit in den kommenden vier Jahren mehr als 5,5 Mrd. Euro bereit. Hinzu kommen seitens des Bundes weitere erhebliche Ausgaben anderer Ressorts für Projektförderung, institutionelle Förderung und Ressortforschung.

Mit dem Rahmenprogramm Gesundheitsforschung leistet die Bundesregierung ihren Beitrag zur Erforschung von Krankheiten. Dabei bleibt immer im Blick, dass Gesundheitsforschung erst dann erfolgreich ist, wenn Menschen von ihr profitieren, indem der Entstehung von Krankheiten vorgebeugt, ihr Verlauf aufgehalten oder Krankheiten geheilt werden.

Schwerpunkte der Gesundheitsforschung

Mit dem am 8. Dezember 2010 verabschiedeten "Rahmenprogramm Gesundheitsforschung" richtet die Bundesregierung die Gesundheitsforschung neu aus und legt den Schwerpunkt auf die Erforschung derjenigen Krankheiten, die besonders viele Menschen betreffen, den sogenannten Volkskrankheiten. Zu ihrer Erforschung werden sechs Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung gegründet.

Das neue Regierungsprogramm stellt folgende Aktionsfelder in den Mittelpunkt

Aktionsfeld 1 - die strukturelle Herausforderung:

Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten

Der demografische Wandel lässt den Bedarf an medizinischem Fortschritt steigen: Die Zahl der Menschen wächst, die an Volkskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel-, Infektions-, Lungen oder neurodegenerativen Erkrankungen sowie an psychischen, muskuloskelettalen oder allergischen Erkrankungen leiden - oder auch an mehreren dieser Erkrankungen. Zudem dauert es oft noch zu lange, bis Ergebnisse aus der Grundlagen- und der klinischen Forschung in die medizinische Regelversorgung gelangen und Patienten von ihnen profitieren. Diesen als Translation bezeichneten Prozess schneller und effektiver zu gestalten ist ein Leitgedanke des Rahmenprogramms.

Daher gründet die Bundesregierung Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung, um die universitäre und außeruniversitäre Forschung zu einigen besonders bedeutsamen Volkskrankheiten zu bündeln und die Anwendung ihrer Ergebnisse zu beschleunigen. Zugleich wird die krankheitsbezogene Projektförderung ausgebaut und auf forschungs- und nachwuchsfreundliche Rahmenbedingungen und Strukturen hingewirkt.

Aktionsfeld 2 - die Forschungsherausforderung:

Individualisierte Medizin

Das Verständnis grundlegender Krankheitsmechanismen wächst, eine auf die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen zugeschnittene Medizin wird greifbar. Damit rückt auch das Erreichen des Ziels näher, ein selbstbestimmtes Leben im Alter bei gutem Gesundheitszustand zu ermöglichen.

Die Bundesregierung unterstützt deshalb die Entwicklung von Diagnostika und Therapeutika und spannt in der Förderung den Bogen entlang des Innovationsprozesses von der lebenswissenschaftlichen Grundlagenforschung über die präklinische und klinisch-patientenorientierte Forschung bis zur Marktreife. Der Übergang von einer Stufe des Innovationsprozesses zur nächsten wird erleichtert. Die Erforschung seltener Krankheiten wird ebenfalls gefördert.  

Aktionsfeld 3 - die Vorsorgeherausforderung:

Präventions- und Ernährungsforschung

Erkenntnisse über den Einfluss von Ernährung, Bewegung, sonstigem Verhalten und Umwelt auf die Aktivität von Genen eröffnen neue Möglichkeiten, um die Entstehung von Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen besser zu verstehen und ihnen vorzubeugen. Das Wissen darüber, ob und wie Prävention funktioniert, muss weiter wachsen.

Unter dem Dach der nationalen Präventionsstrategie entwickelt das BMBF einen Aktionsplan, der die Forschungsförderung zu allen für Präventions- und Ernährungsforschung relevanten Ansätzen - von der Epigenetik bis zur Epidemiologie - zusammenführt und interdisziplinär verknüpft.

Aktionsfeld 4 - die Systemherausforderung:

Versorgungsforschung

Der Anspruch, jedem Menschen eine bestmögliche und sichere Therapie zu ermöglichen, bleibt von zentraler Bedeutung für die Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig steigt der Druck, auch im Gesundheitssystem Kosten zu begrenzen; gute Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Überlegungen müssen miteinander in Einklang gebracht werden.

Die Bundesregierung fördert den Aufbau einer leistungsstarken deutschen Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie und stellt dabei Patientenorientierung und Patientensicherheit in den Mittelpunkt. Hierzu werden der Aufbau nachhaltiger Forschungsstrukturen und die Durchführung von Studien zur Bewertung des Nutzens etablierter und neuer Verfahren im Versorgungsalltag, der Aufbau von Studienstrukturen, die Durchführung von Studien zur Prozessoptimierung von Versorgungsabläufen und die Nachwuchsförderung unterstützt.

Aktionsfeld 5 - die Innovationsherausforderung:

Gesundheitswirtschaft

Die Gesundheitswirtschaft ist eines der großen Wachstumsfelder in den Industrienationen. Sie umfasst neben der Arzneimittelindustrie, der Biotechnologie sowie der Medizintechnik auch die Versorgung mit medizinischen Dienstleistungen, wobei z.B. mit der Telemedizin neue Dienstleistungsformen entstehen. Bei der schnelleren Translation von Forschungsergebnissen spielen forschungsintensive Unternehmen, insbesondere die der medizinischen Biotechnologie, eine wichtige Rolle.

Die Bundesregierung trägt dazu bei, die Innovationskraft der Gesundheitswirtschaft zu erhöhen. Dazu werden insbesondere neue Wege des Wissens- und Technologietransfers erprobt und rechtliche Rahmenbedingungen weiterhin forschungs- und innovationsfreundlich gestaltet. Forschungsintensive Unternehmen werden künftig gezielt in Translationsnetzwerke eingebunden.

Aktionsfeld 6 - die internationale Herausforderung:

Gesundheitsforschung in globaler Kooperation

Internationale Zusammenarbeit ermöglicht es, Synergien für den medizinischen Fortschritt freizusetzen. Forschungsinfrastrukturen können in Arbeitsteilung gemeinsam aufgebaut und genutzt werden. Gleichzeitig steht die Gesundheitsforschung auch in der Verantwortung für die weltweite Gesundheitsversorgung.

Die Bundesregierung stärkt die Internationalisierung der Gesundheitsforschung durch den gemeinsamen Aufbau von Forschungsinfrastrukturen, verbindet Forschende und Institutionen über Grenzen hinweg und treibt die internationale Koordinierung von Forschungsprogrammen voran. Ein besonderer Fokus liegt auf der Erforschung vernachlässigter und armutsbedingter Krankheiten in Kooperation mit Entwicklungsländern.

Quelle: http://www.bmbf.de/de/gesundheitsforschung.php vom 12.01.2011