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10. Juni 2014

Coswiger Fachkrankenhaus hat jetzt Gold-Standard


Die Klinik wurde für ihr vorbildliches Rauchentwöhnungskonzept international ausgezeichnet

Wer mit dem Rauchen aufhören will, der ist im Coswiger Fachkrankenhaus für Lungenkrankheiten goldrichtig. Die Klinik wurde jetzt in den Kreis derjenigen Häuser aufgenommen, die sich nach den strengen Richtlinien des ENSH-Global Network for Tobacco Free Health Care Services (ENSH-Global) richten und entsprechende Programme für Menschen anbieten, die nicht mehr rauchen wollen.

Überreicht wurde die Auszeichnung als Gold-Member in diesem Netzwerk durch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler im Bundesministerium für Gesundheit in Berlin. Für die Coswiger Klinik nahm Professor Dr. Axel Rolle die Auszeichnung entgegen. „Das ist aber auch eine Auszeichnung für das ganze Team“, sagte Klinik-Geschäftsführerin Ursula Russow-Böhm, die genauso wie Pflegedirektorin Marion Bandow bei der Preisverleihung mit dabei war.

Bei den Vorträgen anlässlich dieser Auszeichnung wurde deutlich, welche gesundheitlichen Schäden das Rauchen immer noch anrichtet. 17 Prozent der Menschen sterben an den Folgen des Rauchens. Rund 50 Prozent der Raucher gelten als abhängig. In der öffentlichen Wahrnehmung rangiere das Gefahrenpotential des Rauchens jedoch weit hinten.

„Wir haben einen mächtigen Gegner, die Tabakindustrie“, sagte Professor Dr. Anil Batra vom Universitätsklinikum Tübingen. Batra, der zugleich Vorstand des Deutschen Netzwerkes Rauchfreier Krankenhäuser e.V. (DNRfK) ist, betonte, dass es besonders darauf ankäme, die Jugend über die Gefahren des Rauchens aufzuklären. „Wir haben dafür eine Zeitspanne bis zum 23. Lebensjahr“, so Batra. „Danach fängt kaum noch jemand mit dem Rauchen an“. Das hätten zahlreiche statistische Untersuchungen ergeben. Batra sprach von einem besonderen „teachable moment“- einem Lernfenster - wenn Patienten wegen eines Lungenleidens oder einer Suchtbehandlung ein Krankenhaus aufsuchten. In diesem Moment und in diesem Umfeld seien die Menschen eher bereit, über sich und ihre Lebensgewohnheiten nachzudenken. Und genau das müsse man nutzen.

Ein Punkt, dem Professor Dr. Axel Rolle nachdrücklich zustimmte. Er ist täglich mit den körperlichen Folgen des Zigarettenrauchens befasst. Häufig eben auch mit Krankheitsbildern, die besonders auf den frühzeitigen Tabakkonsum zurückgehen. „Man kann es nicht genug betonen, wie schädlich das Rauchen sich auf den jungen Organismus auswirkt“, so der Mediziner. Bis zum 14 Lebensjahr wachse die Lunge noch. Werde noch früher mit dem Rauchen begonnen, habe das zuweilen schreckliche Folgen für die Betroffenen. Eine der heimtückischsten Krankheiten, die sich daraus entwickeln können, sei die  sogenannte Histiozytosis X. Eine Krankheit, bei der die Lunge autoaggressiv reagiert und sich in  einen einzigen Entzündungsherd verwandelt. „Dann hilft nur noch eine hochdosierte Gabe von Kortison und der Rest der Familie muss beten, dass der Prozess zum Stehen kommt“, so Professor Rolle in seinem Vortrag, der von den Zuhörern mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde. Er wolle aber auch nicht verschweigen, dass man erst kürzlich zwei junge Männer im Alter von 20 und 21 Jahren durch diese Krankheit verloren habe.

Die rund 20 Millionen Raucher in Deutschland verkonsumieren jährlich rund 132 Billionen Zigaretten. Daraus resultierten sechs Millionen Menschen mit einer chronisch obstruktiv erkrankten Lunge, rund eine Million, die an einem Lungenemphysem leiden und rund 40 000 neue Lungenkrebsdiagnosen pro Jahr. Etwa 140 000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des Rauchens, das sind 393 pro Tag. Generell verkürzt Rauchen das Leben um mindestens zehn Jahre, so die Statistiken. Dabei gäbe es Hoffnung. Auch noch in höherem Alter lasse sich die Lebenserwartung steigern, wenn konsequent mit dem Rauchen aufgehört würde, so Professor Axel Rolle. Wer im jugendlichen Alter das Loskommen von der Zigarette schafft, bei dem hat sich schon nach wenigen Jahren die Lebenserwartung wieder auf dem Niveau von Nichtrauchern eingepegelt.

Nicht verhehlen wolle man in dem Gesamtzusammenhang, dass es ausgerechnet die Pflegekräfte in den medizinischen Einrichtungen sind, in deren Reihen überdurchschnittlich viel geraucht werde. Deshalb setzten die Programme zur Rauchentwöhnung auch bei den Mitarbeitern an. Die Coswiger Einrichtung hat sich inzwischen einen Namen damit gemacht, dass die Auszubildenden einen sogenannten Nichtraucherparcours entwickelt haben.

Über das Prinzip des Lernens durch Lehren, erfahren die Krankenhausmitarbeiter selbst, was das Rauchen anrichtet. Lebensnah und speziell für Schulklassen erarbeitet, müssen die Kinder beispielsweise mit einer Nasenklemme und einem Strohhalm im Mund Treppen steigen. So erfahren sie am eigenen Körper, was es heißt, plötzlich nur noch schwer Luft zu bekommen. „Der Sinn ist es, die Menschen nachdenklich zu machen“, so Professor Rolle. „Mit Verboten und Kontrolle allein erreicht man eher noch das Gegenteil“. Im eigenen Hause schlägt die Strategie schon an. Geraucht werden darf selbstverständlich nur noch auf einer Raucherinsel. Und die letzten Mitarbeiterbefragungen ergaben, dass der Anteil der Raucher unter den 280 Beschäftigten binnen dreier Jahre von 26 auf 18 Prozent gesunken ist.

Quelle: Pressemitteilung des Fachkrankenhaus Coswig GmbH vom 10.06.2014