Nachrichten

 
08. November 2010

EU will Kampf gegen Ärztemangel aufnehmen


Unzumutbare Arbeitsbedingungen, die häufige Unvereinbarkeit von Beruf und Familie sowie eine als ungerecht empfundene Bezahlung sind nur einige der Gründe, weshalb immer mehr junge Ärzte ins europäische Ausland abwandern.

Bevorzugte EU-Länder für deutsche Ärzte sind Großbritannien und die skandinavischen Länder. Während in Norwegen beispielsweise 3,7 Prozent der Ärzte aus Deutschland kommen, arbeiten hierzulande - vor allem in den neuen Bundesländern - viele Ärzte aus Osteuropa die dort dringend gebraucht werden. Hinzu kommt, dass in den kommenden Jahren europaweit Tausende von Ärzten altersbedingt in den Ruhestand gehen werden - doch der ärztliche Nachwuchs fehlt.

Um dem gravierenden Ärztemangel in vielen EU-Mitgliedstaaten entgegenzuwirken, hat die amtierende belgische Ratspräsidentschaft vor wenigen Wochen eine Konferenz zur Entwicklung der Gesundheitsberufe in der Europäischen Union durchgeführt. Dort diskutierten Vertreter der Mitgliedstaaten, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der verschiedenen nationalen Verbände und Forschungseinrichtungen im Gesundheitswesen über den künftigen Bedarf an Arbeitskräften im Gesundheitswesen.

Die Konferenzteilnehmer waren sich einig, dass die Arbeitsbedingungen für Ärzte beispielsweise durch flexiblere Arbeitszeiten attraktiver gestaltet und Berufsanfänger während der Ausbildung intensiver betreut werden müssten, da insbesondere die 25 - 35-Jährigen vermehrt ins Ausland abwanderten. Überlegt wurde zudem, ob verschiedene Aspekte in der Gesundheitsversorgung „de-medikalisiert” werden sollten - das heißt, bestimmte Tätigkeiten von Ärzten auf andere qualifizierte Gesundheitsberufe übertragen werden könnten. Gerade auch in Bezug auf die Evaluation der Berufsanerkennungsrichlinie [2005/36/EG] soll darüber hinaus verstärkt auf qualitative sowie auf quantitative Aspekte bei der Aus- und Weiterbildung von medizinischem Fachpersonal geachtet werden, hieß es. So sollten unter anderem Ärzte zur Fortbildung (Lebenslanges Lernen) verpflichtet werden.

Basierend auf den Ergebnissen der Konferenz plant der Rat der Gesundheitsminister im Dezember 2010 die Annahme von Schlussfolgerungen zu Gesundheitsberufen in Europa. Ein erster Entwurf ist bereits von der belgischen Ratspräsidentschaft vorgelegt worden und wird nun in der entsprechenden Arbeitsgruppe diskutiert. Ferner soll in naher Zukunft ein „Europäischer Aktionsplan” zu Fachkräften im Gesundheitswesen verabschiedet werden.

Quelle: http://www.slaek.de/aktuell/archiv/2010/109_aemaneleu.html vom 03.11.2010