Nachrichten

 
19. März 2014

Geriatrie-Netzwerk schult Polizei im Umgang mit Demenzkranken


Angehende Polizisten werden auf Kontakte mit dementen Personen vorbereitet. Deren Anteil an der Bevölkerung wächst.

Der Anruf geht an einem Nachmittag mitten in der Woche bei der Polizeidienststelle ein: Eine ältere Dame sei, nur mit einem Nachthemd bekleidet, an einer Bushaltestelle entdeckt worden. Die Dame sei anscheinend verwirrt. Sie kennt ihren Namen nicht und weiß nicht, woher sie kommt. Aber dass sie „nach Hause“ möchte, wiederholt sie immer wieder.

„Solche und ähnliche Situationen sind für die Kollegen im polizeilichen Einsatzdienst nicht ungewöhnlich“, sagt Dr. Harald Kogel, Rektor der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) in Rothenburg. „Wir erleben es immer häufiger, dass wir mit der Krankheit Demenz und ihren Folgen konfrontiert sind. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist der Bedarf größer geworden, mehr über Demenz zu erfahren.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass Polizeibeamte mit demenzkranken, älteren Menschen in ihrem polizeilichen Alltag konfrontiert werden, nimmt stetig zu. Neuesten Zahlen zufolge sind in der Bundesrepublik Deutschland bereits 1,3 Millionen Bürger von der Krankheit betroffen, davon im Landkreis Görlitz ca. 6.000. Eine Verdoppelung wird bis 2050 erwartet.

Deshalb hat das Geriatrie-Netzwerk Ostsachsen im Rahmen der 1. Demenzoffensive für den Landkreis Görlitz bereits zahlreiche Polizeibeamte für den Umgang mit Demenzkranken geschult. Denn für die Polizisten ist es oft schwer erkennbar, in welchem Zustand sich ein Betroffener befindet, den andere als verwirrt beschreiben. Theoretische Grundlagen und typische Alltagssituationen im Umgang mit Demenzkranken gehörten deshalb zum Stundenplan der Fortbildung.

Ab diesem Jahr sollen daher erstmals Schulungsmaßnahmen zum Umgang mit Menschen mit Demenz für die polizeiliche Praxis in das modulare System für den Studienganges "Bachelor of Arts (B.A.) - Polizeivollzugsdienst" der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) in Rothenburg integriert werden. Organisiert werden die Schulungen von Dr. Stefan Zeller, Direktor des Görlitzer Geriatriezentrums und Projektleiter und Denise Menzel, Projektkoordinatorin des Geriatrie-Netzwerkes Ostsachsen. „Es liegt uns am Herzen, dass unser Landkreis Görlitz demenzfreundlich wird. Aus diesem Grund schulen wir ganz verschiedene Berufsgruppen, die häufig mit demenziell Erkrankten zu tun haben“, sagt Dr. Zeller.

Quelle: Pressemitteilung des Städtische nKlinikum Görlitz gGmbH vom 19.03.2014