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26. Mai 2014

HBK Zwickau offiziell für Versorgung von Schwerstverletzten zugelassen


Das Zwickauer Klinikum wurde durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) zur Versorgung von Patienten mit schwersten Verletzungen nach Arbeitsunfällen zugelassen. Damit gehört das HBK neben dem Klinikum Chemnitz im südwestsächsischen Raum der höchsten Versorgungsstufe im 2014 eingeführten dreistufigen System* der DGUV an.

Nach einem Arbeits- oder Wegeunfall benötigen Patienten mit schwersten und komplexen Verletzungen eine sofortige unfallmedizinische Behandlung in dafür geeigneten Krankenhäusern. Deutschlandweit sind nur rund 100 Kliniken am sogenannten „Schwerstverletzungsartenverfahren“ (SAV) beteiligt. Als eines von insgesamt nur sechs Krankenhäusern in Sachsen darf das Heinrich-Braun-Klinikum mit der Zulassung durch die Berufsgenossenschaften nun offiziell schwer Arbeitsunfallverletzte behandeln – damit wird dem Klinikum einmal mehr medizinische Kompetenz auf höchstem Niveau bescheinigt.

Neuerungen am Klinikstandort ebneten den Weg zur SAV-Zulassung

„Darauf haben wir intensiv mit der Schaffung neuer Strukturen hingearbeitet – z.B. mit den Klinikneugründungen der vergangenen Jahre, mit denen wir  die Fachrichtungen Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – Plastische und Ästhetische Operationen, Thoraxchirurgie sowie die Abteilung Hand- und Rekonstruktive Mikrochirurgie etabliert haben“, erläutert HBK-Geschäftsführer Rüdiger Glaß den anspruchsvollen Weg zur Zulassung. Dass diese und andere Fachbereiche optimal und interdisziplinär zum Patientenwohle zusammenarbeiten sowie strengste Qualitätsmaßstäbe erfüllen, bescheinigt die Beteiligung am SAV. Zudem werden hohe Ansprüche an die räumliche und technische Ausstattung des Klinikums sowie seiner Mitarbeiter gestellt, um die schweren Verletzungen bei Arbeitsunfällen, wie zum Beispiel Wirbelsäulenbrüche, Amputationsverletzungen, Quetschungen oder Schädel-Hirn-Verletzungen, unmittelbar und kompetent behandeln zu können. „Entscheidend für die SAV-Zulassung war neben der Ausstattung der interdisziplinären Notaufnahme die gut aufgestellte intensivmedizinische Versorgung sowie unsere neurochirurgische Kompetenz. Zudem erfüllen wir die hohen Anforderungen einer Frührehabilitation noch während der Akutversorgung des Patienten“, fügt Geschäftsführer Glaß hinzu.

Ein umfassendes Spektrum zur optimalen Behandlung von Schwerstverletzten

Für die Versorgung von Patienten mit schwersten und komplexen Verletzungen stehen im HBK zunächst der Hubschrauberlandeplatz sowie zwei Schockräume, ein Spiral-Computertomograf, ein Magnetresonanztomograf sowie eine biplane Angiografieanlage zur Diagnostik zur Verfügung. Zudem verfügt der Standort über mehrere Operationssäle für Notfalleingriffe sowie Intensivtherapiebetten. Rund um die Uhr können zwei Teams gleichzeitig für die spezialisierte Versorgung von Polytraumatisierten eingesetzt werden. Dazu gehören Unfall-, Viszeral-, Thorax-, Gefäß- und Neurochirurgen sowie Anästhesisten und Radiologen. Je nach Verletzungsart können Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, Handchirurgen, Plastische Chirurgen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Augenärzte, Urologen, Gynäkologen oder Spezialisten anderer Fachrichtungen hinzu gerufen werden. Die fachlich-organisatorische Verantwortung liegt in der Hand des leitenden Durchgangsarzt und Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie Dr. med. Bernhard Karich.  "Ohne die Zulassung zum SAV dürften wir Schwerstverletzte nach Arbeits- und Wegeunfällen nur zur Erstversorgung behandeln und müssten sie dann weiterverlegen. So können wir auch für diese Patientengruppe eine wohnortnahe Versorgung anbieten", verdeutlicht der Chefarzt die Wichtigkeit der Zulassung.

Als teilnehmende Klinik muss das HBK nachweisen, dass  pro Jahr mindestens 75 Schwerst- und Komplexfälle nach Arbeitsunfällen behandeln werden. „Zu unserem Einzugsgebiet gehört der gesamte westsächsische Raum und oft werden Schwerstverletzte aus weiter entfernten Gegenden eingeflogen, so dass wir allein im vergangenen Jahr rund 150 Patienten mit solchen Verletzungen medizinisch betreut haben“, erklärt der Geschäftsführer. Natürlich profitieren auch alle anderen Patienten von dem hohen fachlichen Niveau der spezialisierten Unfallbehandlung. 

*Hintergrund: Neuordnung des Heilverfahrens der gesetzlichen Unfallversicherung macht Zulassung erforderlich

Mit Einführung des neuen SAV zum 1. Januar 2014 dürfen Patienten nach schwersten Arbeits- und Wegeunfällen ausschließlich in speziell zugelassenen Krankenhäusern behandelt werden. Notwendig wurde dieser Schritt aufgrund der steigenden Anforderungen bei der Qualität der Versorgung. Bislang war das stationäre Heilverfahren zweistufig. Neben der durchgangsärztlichen Versorgung an Krankenhäusern (stationäres Durchgangsarztverfahren - DAV) gab es für alle schwereren Verletzungen die Versorgung an Krankenhäusern, die am so genannten Verletzungsartenverfahren (VAV) teilnahmen. Seit 2014 ist eine dritte Stufe hinzugekommen, das neue Schwerstverletzungsartenverfahren (SAV). Für die Behandlung von Schwerst- und Komplexfällen im SAV-Verfahren gelten im Wesentlichen die Qualitätskriterien, welche die DGU für die Traumazentren festgelegt hat. Durch die flächendeckende Bildung von Traumanetzwerken in Deutschland wurde die Versorgung von Schwer- und Schwerstverletzten bereits nachweisbar verbessert. Auch das Heinrich-Braun-Klinikum verfügt bereits seit 2009 über ein Regionales Traumazentrum und erfüllt damit strenge Qualitätsrichtlinien bei der medizinischen Betreuung von Schwerunfallverletzten.

Quelle: Presseinformation desHeinrich-Braun-Klinikum gemeinnützige GmbH, Standort Zwickau, vom 26.05.2014