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17. Mai 2011

Medizinstudenten: Sicherer Arbeitsplatz wichtiger als Spitzenverdienst


Für Medizinstudenten stehen ein fester Arbeitsplatz und ein sicheres Einkommen an der Spitze der späteren Berufswünsche.

Die Aussicht auf einen Spitzenverdienst war den angehenden Medizinern in einer Umfrage in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2011) dagegen nicht so wichtig.  

Die Arbeitsplatzaussichten für Medizinstudierende sind so gut wie lange nicht mehr, schreiben Dr. phil. Katja Götz von der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg und ihre Kollegen. Schon heute hätten 80 Prozent der Krankenhäuser Probleme, offene Stellen zu besetzen, und im ambulanten Sektor fänden Kassenärzte immer häufiger keinen Nachfolger. Alles deute darauf hin, dass sich der Ärztemangel in den nächsten Jahren weiter verschärft. Dr. Götz: Zum einen werden aufgrund der demographischen Entwicklung sowie der Zunahme chronischer Erkrankungen in Zukunft mehr Ärzte als bisher benötigt. Zum anderen ist die Zahl der Studenten zwischen 1993 bis 2008 um 16 Prozent gesunken, und viele Mediziner streben ins Ausland oder in arztferne Berufe.  

Vor diesem Hintergrund hält es die Forscherin für wichtig, die Berufswünsche und Erwartungen der nachrückenden Ärztegeneration zu untersuchen. Dies geschah in einer Umfrage an den fünf medizinischen Fakultäten in Baden-Württemberg (Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Tübingen und Ulm). Alle 12062 Medizinstudenten wurden angeschrieben und gebeten, einen kurzen Online-Fragebogen zu beantworten. Insgesamt 1299 Studenten, also elf Prozent, nahmen teil.  

Die Antworten zeigen den hohen Wert einer Planungssicherheit: Für 61 Prozent der Studenten war es wichtig “in einem Beruf zu arbeiten, der Zukunft hat“. 58 Prozent möchten später “einen sicheren Arbeitsplatz haben”, und 57 Prozent wünschten sich, “ein sicheres Einkommen zu haben”. Die Höhe des Einkommens scheint dagegen eine geringere Rolle zu spielen: Nur 30 Prozent werteten “gute Verdienstmöglichkeiten zu haben” als einen wichtigen Aspekt. Der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz überrascht Dr. Götz. Schließlich sei die Ausübung des Arztberufes derzeit sicherer denn je. Es stelle sich deshalb die Frage, ob Studierende dies auch so wahrnehmen oder ob sie durch die teilweise verzerrte Darstellung der finanziellen Perspektiven in der Öffentlichkeit verunsichert sind.

Auch über das spätere Fachgebiet haben die meisten Studenten klare Vorstellungen. Mehr als 75 Prozent nannten ein Wunschgebiet: Die meisten wollten Internist, Chirurg, Gynäkologe, Kinderarzt, Narkosearzt oder Allgemeinmediziner werden. Das sind laut Dr. Götz auch in anderen Ländern die beliebtesten Fächer. Doch die Vorlieben ändern sich im Verlauf des Studiums. So nimmt das Interesse an der Chirurgie im Studienverlauf ab, fand Dr. Götz heraus. Der Grund ist unklar. In anderen Studien seien jedoch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gute Arbeitsmarktchancen und Einkommensmöglichkeiten als Motive für die angestrebte Karriere genannt worden. Nach Ansicht von Dr. Götz dürfen die betroffenen Fachgebiete diese Bedürfnisse und Erwartungen des medizinischen Nachwuchses nicht ignorieren, wenn sie vor dem Hintergrund des akuten oder drohenden Nachwuchsmangels nicht das Nachsehen haben wollen. 

Quelle: http://www.thieme.de/presseservice/32584.html vom 17.05.2011

K. Götz et al.: Berufswunsch „planungssicherer Arbeitsplatz“ – Ergebnisse einer Online-Befragung unter Medizinstudierenden. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2011; 136 (6): S. 253-257