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07. März 2011

Schlüssel für moderne medizinische Versorgung


Dr. Stephan Helm im Wirtschaftsjournal - Das mitteldeutsche Wirtschaftsmaganzin

Neben der primär versorgungswirksamen Bedeutung der Krankenhäuser, die in Sachsen schon allein mit Blick auf die gegenwärtigen und zukünftigen demografisch bedingten Entwicklungen im Freistaat weiter zunimmt, wird gegenwärtig die Gesundheitsbranche und hierbei insbesondere der Krankenhausbereich verstärkt einer gesundheitswirtschaftlichen Betrachtung unterzogen. So findet dieser Aspekt im aktuellen sächsischen Koalitionsvertrag ausdrückliche Erwähnung. Im Folgenden werden an Hand ausgewählter Fakten sowohl die entsprechenden Dimensionen als auch die Potenziale für die sächsische Wirtschaft verdeutlicht.

1.    Krankenhäuser in Sachsen und Kostensituation

Bereits der Blick auf aggregierte Rahmenkennzahlen der Kapazitäten, Strukturen und Leistungen verdeutlicht die Entwicklung sächsischer Krankenhäuser zu bedeutenden Arbeitgebern mit erheblichem direkten und indirekten wirtschaftlichen Nachfragepotenzial in der jeweiligen Region. Dies wird auch durch die nachfolgend dargestellten Kostenentwicklungen bestätigt. Mit dieser Entwicklung geht neben Preisentwicklung eine massive Leistungssteigerung und -intensivierung bei ständigen Bemühungen um wirtschaftliche Leistungserbringung sächsischer Krankenhäuser einher.

2.    Wirtschaftseffekte durch sächsische Krankenhäuser

In den letzten Jahren wurden erhebliche interne Dienstleistungen in sächsischen Krankenhäusern ausgegliedert mit entsprechenden Nachfrageeffekten in anderen Branchen. Nicht zuletzt sind Krankenhäuser in der Regel bedeutende Ausbildungs- und Weiterbildungsstätten insbesondere für ärztlichen und pflegerischen Dienst und darüber hinaus. In Verbindung mit Beschäftigungspotenzial ist auf damit verbundene Qualifikationseffekte zu verweisen, insbesondere mit Bedeutung für daraus abgeleitete regionale Kaufkraft, Nachfrage und soziale Struktur. Die sogenannte Akademikerquote in Krankenhäusern (mit ca. 20 Prozent) ist doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. Wird darüber hinaus der – mit cirka 45 Prozent – hohe Ausbildungsgrad der im Krankenhaus Beschäftigten (diplomiertes und Fachpersonal) berücksichtigt, arbeiten mehr als 60 Prozent der in Krankenhäusern Beschäftigten auf fachlich hochqualifiziertem Niveau. Dies spiegelt sich auch im Lohnniveau wider.

Darüber hinaus sind Arbeitsplätze im Krankenhaus – wie überhaupt in der Gesundheitsbranche – relativ konjunkturunabhängig und haben damit einen stabilisierenden Effekt für andere Branchen und Lebensbereiche.Nicht unerwähnt sollen an dieser Stelle Beschäftigungsnachfrageeffekte durch Personal, Patienten und Besucher von Krankenhäusern bleiben, die sich insbesondere für Handel, Gastronomie und Dienstleistung ergeben.Bezüglich krankenhausspezifischer patienten- bzw. behandlungsbezogener Wertschöpfungseffekte sind die landesspezifischen Analysen noch nicht abgeschlossen. Ein erster Blick auf vorgenannte Sachkostenentwicklung verdeutlicht die Dimensionen. Hier liegen allerdings auch zukünftige Rationalisierungspotenziale, um bei anhaltend angespannter „Kassenlage“ sowohl Preis-, Leistungs- als auch Qualitätsniveau zu sichern.

Neben diesen Effekten aus laufendem Betrieb ergeben sich erhebliche Potenziale für Wirtschaft im regionalen Umfeld aus investivem Geschehen in sächsischen Krankenhäusern.
In den vergangenen 15 bis 18 Jahren wurde mit erheblichen – durch Bund, Land und GKV gemeinsam aufgebrachten – Investitionen, sowohl Substanz als auch Struktur der sächsischen Krankenhäuser und der Versorgung in überwiegenden Teilen modernisiert.
Ein großer Teil der mehr als 5,5 Milliarden Euro, die in dieser Zeit in sächsische Krankenhäuser investiert wurden, kam der sächsischen Wirtschaft – regional differenziert – zu Gute. Angesichts außerordentlich dynamischer Entwicklungen in Medizin, Technik und Technologie sowie wachsender demografie- und morbiditätsbedingter Inanspruchnahme der Branche, liegt in einer stabilen Investitionsfähigkeit sächsischer Krankenhäuser ein Schlüssel nicht nur für moderne medizinische Versorgung sondern auch für nachhaltige regionale gesundheitswirtschaftliche Effekte.

Aktuelle krankenhausinvestitionspolitische Herausforderungen in Sachsen bilden in der generellen Substanzerhaltung (baulich, technisch, logistisch) die Basis für den Ausbau der IT-Kapazitäten, die Optimierung energetischer Prozesse sowie die Unterstützung bei der Etablierung von Netzwerk- und sektorenübergreifenden Strukturen.

3.    Krankenhaus als komplexes Dienstleistungsunternehmen

Neben stationärem Geschehen mit gegenwärtig ca. 950.000 Behandlungsfällen p. a. versorgen sächsische Krankenhäuser jährlich mindestens doppelt so viele Patienten nicht­stationär bzw. ambulant. Dieses Geschehen ist komplex und vielfältig und reicht von der Notfallversorgung über ambulantes Operieren bis hin zur institutsambulanten Versorgung z. B. im psychiatrischen Bereich. In Verbindung mit der Entstehung von Netzwerk- und sektorenübergreifenden Versorgungsstrukturen entstehen völlig neue Herausforderungen an Patienten- und Prozesslogistik sowie Schnittstellenkommunikation auch mit entsprechender wirtschaftlicher Relevanz.

4.    Zusammenfassung und Ausblick

Bei relativ geringem Betriebsstättenanteil in Sachsen realisieren die sächsischen Krankenhäuser ein bedeutendes regionales Beschäftigungs- und Wertschöpfungspotenzial.Dies bedarf im Weiteren der landesbezogenen und regional differenzierten Analyse, insbesondere der damit verbundenen Potenziale und Effekte für die sächsische Wirtschaft. Erwartet wird aber auch, dass im Rahmen der gegenwärtigen und zukünftigen landespolitischen Struktur- und Haushaltsentscheidungen das wirtschaftliche Potenzial der sächsischen Gesundheitsbranche, hier insbesondere der Krankenhäuser, eine wesentlich stärkere Berücksichtigung findet.

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen e. V. ist die Trägervereinigung der gegenwärtig 79 sächsischen Krankenhäuser mit ca. 25.800 Betten und einer durchschnittlichen Größe von 330 Betten je Krankenhaus. Mit ca. 44.000 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatzvolumen i. H. v. ca. 3,4 Mrd. Euro erfüllen die Krankenhäuser eine bedeutende Arbeitgeberfunktion im Freistaat Sachsen. In den letzten 20 Jahren sind über 5,5 Mrd. Euro in sächsische Krankenhäuser investiert worden. Jährlich werden ca. 970.000 Patienten allein stationär behandelt.

Quelle: http://www.wirtschaftsjournal.de/index.php?option=com_content&id=1779 vom 07.03.2011