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28. April 2014

Spezialisten am Klinikum St. Georg behandeln Immundefekte


Wenn die eigene Körperabwehr nicht funktioniert / Gastvortrag von Prof. Dr. Borte

Rund 100.000 Menschen leiden in Deutschland an einer angeborenen Abwehrschwäche, darunter auch viele Kinder. Diagnostiziert sind allerdings nur 3.500 Patienten, da die Krankheit aufgrund der unspezifischen Symptome häufig gar nicht erkannt wird. Nur wenige Krankenhäuser verfügen über ausgebildete Experten auf diesem Gebiet. Das Klinikum St. Georg ist ein überregionales Zentrum für die Diagnostik und Therapie von Immundefekten. „Vielen Patienten mit einer Immunschwäche fehlen Antikörper, die aber durch regelmäßige Injektionen von Immunglobulinen ersetzt werden können“, erklärt Prof. Dr. med. habil. Michael Borte vom Fachbereich Pädiatrische Rheumatologie, Immunologie und Infektiologie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. „Wir sind insbesondere spezialisiert auf die Schulung zur Therapie mit Immunglobulinen, sodass Jugendliche sich oder die Eltern ihre Kinder selbst zuhause behandeln können.“

Wie lang der Leidensweg von Betroffenen sein kann, bevor die Immunschwäche erkannt wird, zeigt beispielsweise die Krankengeschichte von Lena. Bereits mit knapp einem Jahr hat das Mädchen regelmäßige Fieberschübe, ohne dass eine Krankheit zum Ausbruch kommt. Erst als die Eltern den Kinderarzt wechseln, wird ein Immunglobulin-Mangel festgestellt. Doch auch in der Klinik, in die Lena eingewiesen wird, erfolgt keine adäquate Therapie. Als sie 2009 schließlich an einer schweren Lungen- und Zwerchfellentzündung erkrankt, wird sie in die Kinderklinik am Klinikum St. Georg gebracht. Die Ärzte empfehlen den Eltern, alle noch nicht erfolgten Schutzimpfungen nachzuholen. Dabei wird erkannt, das Lena keine spezifischen Antikörper bildet. 2010 stellen die Immunologen im St. Georg schließlich die Diagnose: variables Immundefektsyndrom. Die Therapie übernehmen die Eltern eigenständig zu Hause.

Die notwendigen Infusionen können sie Lena über eine kleine Pumpe einmal wöchentlich geben.

Themen rund um die angeborene Abwehrschwäche ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, ist Ziel des Internationalen Tages der Immunologie. Der Aktionstag findet am 29. April 2014 zum zehnten Mal statt und lädt zu verschiedenen Veranstaltungen in Deutschland ein. In Leipzig hält Prof. Dr. Michael Borte von 17.15 bis 18.45 Uhr eine Gastvorlesung für den Seniorenkolleg der Universität Leipzig. Der Fachvortrag widmet sich dem Thema „Prophylaxe von Infektionskrankheiten durch Impfungen – welche Impfungen empfehlen wir allen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen?“.

Organisiert wird der weltweite Aktionstag von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI) und der „dsai e.V. – Patientenorganisation für angeborene Immundefekte“. Die Organisation engagiert sich bereits seit mehr als 20 Jahren für die Aufklärung im Bereich der Immundefekte, um die Diagnoserate – und damit die Chancen der Patienten auf ein normales Leben – zu verbessern und Leben zu retten.

Quelle: Medienaussendung des Klinikum St. Georg gGmbH vom 28.04.2014