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12. Dezember 2012

VKD: Kampagne gegen die Krankenhäuser ist unverantwortlich


Wieder einmal stellt eine große Krankenkasse die Krankenhäuser dieses Landes pauschal an den Pranger. Angeblich operieren sie viele ihrer Patienten völlig unnötig, nur des Geldes wegen.

Der Pressesprecher des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), Peter Asché, sagt dazu: „Die Zahl der behandelten Patienten in vielen Krankenhäusern steigt an. Das ist eine Tatsache. Es gibt dafür aber eine ganze Reihe von Ursachen. Die Gründe sind nicht so simpel, wie es die AOK und ihr Wissenschaftliches Institut die Öffentlichkeit weismachen wollen.“

Aus Sicht des VKD spielen vor allem folgende Gründe für den Anstieg der Behandlungszahlen insgesamt und auch bestimmter Operationen eine Rolle:

  • Ein großer Teil ist der Tatsache geschuldet, dass es immer mehr ältere und sehr alte Menschen gibt. Deren Anteil wird auch künftig weiter wachsen. Darauf müssen sich die Krankenhäuser und auch die Krankenkassen einstellen.
  • Gleichzeitig – und erfreulicher Weise – können heute auch sehr alte Patienten operiert werden, bei denen das vor einigen Jahren noch nicht möglich war. Das hat z.B. mit der modernen Anästhesie zu tun, aber auch mit schonenden Operationsmethoden und neuer Medizintechnik.
  • Das Wissen über medizinische Möglichkeiten ist in der Bevölkerung – auch dank des Internets – inzwischen sehr groß. Damit steigen aber die Ansprüche. Wer weiß, was die Medizin heute leisten kann, möchte sein Leiden nicht, wie früher, mit Fassung bis an sein Lebensende tragen. Er erwartet, dass ihm geholfen wird. Auch Menschen jenseits der Fünfzig wollen fit und schmerzfrei sein.
  • Diese Erwartung wird von den Krankenkassen sogar selbst geweckt, die aus Wettbewerbsgründen ihren Versicherten alle Leistungen der modernen Medizin versprechen.

Asché verweist darauf, dass 60 Prozent der Krankenhauspatienten mit einer entsprechenden Diagnose von niedergelassenen Ärzten ins Krankenhaus überwiesen werden. Ein weiterer hoher Prozentsatz kommt über die Notaufnahmen. In der Klinik selbst entscheide nicht ein einzelner Arzt über eine Operation, sondern es gebe ein Mehraugen-Prinzip.

Die Aufregung der Kassen über gestiegene Operationszahlen trägt aus Sicht des VKD scheinheilige Züge. Asché verweist darauf, dass die Krankenkassen selbst vielfältige Möglichkeiten haben, einem Anstieg der Operationen, die aus ihrer Sicht überflüssig sind, entgegenzutreten:

In jedem Jahr handeln sie mit den Krankenhäusern Leistungsmengen und auch notwendige Mehrleistungen aus. Sie stehen also nicht plötzlich vor vollendeten Tatsachen.

Mehrleistungen – auch die vereinbarten – werden darüber hinaus in jedem Fall mit hohen Abschlägen belegt. Sie können daher nur in begrenztem Maße erbracht werden, denn mehr Leistungen bedeuten, vor allem, mehr Ärzte und Pflegende zu beschäftigten – auch dies ist eine wirtschaftliche Frage für ein Haus.

Sämtliche Abrechnungen der Krankenhäuser werden auf Plausibilität von den Krankenkassen geprüft. Einen relativ großen Anteil nimmt außerdem der medizinische Dienst der Krankenkassen nochmals eingehend unter die Lupe. Dabei geht es vorwiegend um die Notwendigkeit eines Klinikaufenthalts überhaupt. Die Mehrzahl dieser Überprüfungen geht zu Gunsten der Krankenhäuser aus.

Peter Asché: „Krankenhäuser müssen natürlich wirtschaftlich arbeiten. Sie stehen seit Einführung des Finanzierungssystems über Fallpauschalen in einem von Politik und Kassen gewollten Wettbewerb. Dieser Wettbewerb wird aber über die Qualität geführt, denn Preise und Leistungsmengen stehen von vornherein fest. Es gibt wahrscheinlich weltweit keinen Krankenhausbereich, der seine Qualität so transparent darstellen muss, wie der in Deutschland. Vielleicht kommt es auch in Einzelfällen zu ethisch möglicherweise nicht zu akzeptierenden Handlungsweisen. Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass deutsche Kliniken Hunderttausende Patienten aus wirtschaftlichen Gründen falsch behandeln, ist unverantwortlich. Im Übrigen würde es sich dann um Körperverletzung in großem Maßstab handeln und wäre damit ein Fall für die Gerichte. Unserem Verband ist bisher allerdings nicht bekannt, dass eine Krankenkasse solche Fälle angezeigt hätte“, so der VKD-Pressesprecher, der als Kaufmännischer Geschäftsführer das Universitätsklinikum Aachen führt.

Der VKD erkennt in den immer wieder neuen, massiven Anwürfen der Krankenkassen gegen die Krankenhäuser eine Kampagne, die nur dazu führt, die Öffentlichkeit und vor allem die Patienten, zu verunsichern.  Das ist aus Sicht der Krankenhäuser unverantwortlich.

Hintergrund

Inzwischen steht Gutachten gegen Gutachten – das Wissenschaftliche Institut der AOK WIdO will herausgefunden haben, dass Hunderttausende Patienten nur aus wirtschaftlichen Gründen operiert worden sind. Das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) hat im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in einer aktuellen Studie ermittelt, dass die durchaus angestiegene Zahl der Operationen vor allem der älter werdenden Gesellschaft und dem medizinisch-technischen Fortschritt geschuldet ist.

Es gebe zwar auch ökonomische Fehlanreize, so das DKI-Gutachten, aber bei den im WIdO vor allem kritisierten angeblich überflüssigen Implantationen von künstlichen Hüft- und Kniegelenken bzw.  eingesetzten Herzschrittmachern und Herzkatheter-Eingriffen seien die Gründe eindeutig medizinisch begründet.

Quelle: Pressemitteilung des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD) vom 10.12.2012