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22. Dezember 2010

VKD: Klinikmanagement blickt skeptisch ins neue Jahr


Politik muss die zentrale Rolle der Krankenhäuser in neuen Gesundheitsstrukturen stärker beachten

Ein Jahr der leichten Konsolidierung geht für die Krankenhäuser zu Ende. Ein Jahr neuerlich steigenden Kostendrucks beginnt. Ab dem 1. Januar gilt das GKV-Finanzierungsgesetz, das den 2083 Krankenhäusern in Deutschland wieder neue Sparanstrengungen abverlangt. Die Budgets dürfen nur minimal steigen, vereinbarte Mehrleistungen werden mit hohen Abschlägen von 30 Prozent bestraft. Gleichzeitig steigen die Tarife erneut. „Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft wieder weiter auseinander. Das führt immer mehr zu einer bedrohlichen Situation für viele Krankenhäuser“, warnt der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands VKD.

Das aktuelle Krankenhausbarometer 2010 dokumentiert, dass nur rund ein Drittel der Krankenhäuser für das nächste Jahr mit einer Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage rechnet, ein Drittel erwartet schlechtere Zeiten. „Die Befragung erfolgte im April – angesichts des Sparprogramms würden die Antworten heute vermutlich noch deutlich negativer ausfallen“, schätzt VKD-Präsident Heinz Kölking.

Immer stärker schlage dabei auch die schwierige personelle Situation der Kliniken zu Buche. Der Ärztemangel habe für eine Reihe von Häusern inzwischen wirtschaftlich bedrohliche Ausmaße angenommen, so Kölking, der selbst ein Krankenhaus in Niedersachsen führt. „Gut, dass auch die Politik inzwischen diesen Ärztemangel nicht mehr ignoriert. Dass Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler für das kommende Jahr ein Versorgungsgesetz angekündigt hat, macht uns Hoffnung. Allerdings warnt unser Verband davor, sich hier allein auf den niedergelassenen Bereich zu konzentrieren. Ein echter Strukturwandel, der die Versorgung nachhaltig sichert, muss eine wesentlich stärkere Vernetzung der Leistungssektoren ermöglichen.“

Der VKD verweist darauf, dass die Krankenhäuser schon heute die Garanten der Gesundheitsversorgung in vielen ländlichen Regionen und – außerhalb der Sprechzeiten niedergelassener Ärzte – auch in den Städten sind. Ein Blick auf die ambulanten Leistungen der Kliniken zeigt das sehr deutlich. Im vorigen Jahr wurden in den Allgemeinkrankenhäusern ab 50 Betten rund 10,7 Mio. ambulante Notfälle behandelt – das macht im Durchschnitt 20 Notfälle je Krankenhaus am Tag! Auf 100 stationäre Fälle kommen bereits 63 ambulante – vor allem nachts und an den Wochenenden, also wenn der niedergelassene Arzt seine Praxis abgeschlossen hat.

Strukturen zu verändern bedeutet aus Sicht des VKD, Sektorenegoismen beiseite zu lassen. Nur so können innovative Versorgungsideen entwickelt und umgesetzt werden. Hierfür wird es regional sehr unterschiedliche Modelle geben, in denen auch die Infrastruktur eine wichtige Rolle spielt. Die Gesundheitsversorgung vor allem in Flächenregionen kann nicht nur Sache der Leistungserbringer oder auch eines Gesundheitsministeriums sein. Das schönste ländliche Krankenhaus, die schönste Landarztpraxis locken junge Ärztinnen und Ärzte oder Pflegende nicht, wenn es keine ordentliche Schule in der Nähe gibt, keine Einkaufsmöglichkeiten und wenn die Verkehrsinfrastruktur mangelhaft ist.

Der VKD sieht in einigen Bundesländern bereits gute Programme auf dem Weg, kritisiert aber auch hier, dass sie sich zum Teil vor allem auf die niedergelassenen Ärzte konzentrieren und die zentrale Rolle der Krankenhäuser dabei unterschätzen. „Das Krankenhausmanagement fordert, stärker einbezogen zu werden“, so Heinz Kölking.

Er verweist darauf, dass die Veränderung von Strukturen oft Investitionen zur Voraussetzung hat. Seit Jahren kämen die Bundesländer hier ihrer Pflicht nicht nach. Von 2000 bis 2008 reduzierten sie die staatlichen Fördermittel um rund 700 Mio. Euro von 3,4 auf 2,7 Mrd. Euro. Das sind - 21 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Investitionen finanzieren die Krankenhäuser heute schon aus anderen Quellen, 36 Prozent davon aus Eigenmitteln. Doch auch das wird angesichts des Sparprogramms ab dem kommenden Jahr schwieriger werden.

„Unser Gesundheitswesen hat ein nachweislich hohes Niveau, die Menschen in diesem Land schätzen die Leistungen der hier Arbeitenden und vertrauen ihnen. Das Krankenhausmanagement will, dass dies auch so bleibt.  Das wird aber nur gemeinsam gelingen. Die Struktur für diese neue Gemeinsamkeit erwarten wir von dem angekündigten „großen Versorgungsgesetz“ in dessen Erarbeitung wir uns mit unseren Vorschlägen einbringen werden“, kündigte der VKD-Präsident an.

Quelle: Presseinformation des VKD vom 20.12.2010