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05. Februar 2010

Psychiatrische Institutsambulanzen in Sachsen schlagen Alarm - ambulante Versorgung psychiatrischer Patienten in Krankenhäusern gefährdet


Die 30 Psychiatrischen Institutsambulanzen des Freistaates Sachsen befürchten vor dem Hinter-grund laufender Neuverhandlungen von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), dem Spit-zenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Deutschen Krankenhausgesell-schaft (DKG) eine dramatische und flächendeckende Verschlechterung der ambulanten Versor-gung von psychiatrischen Patienten in den Institutsambulanzen der sächsischen Krankenhäuser.

Dr. Stephan Helm, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen (KGS), gibt zu bedenken: „Die von der KBV und GKV beabsichtigten Vertragsanpassungen konterkarieren die aktuelle und tatsächliche Versorgungsrealität im Freistaat Sachsen und führen zum Ausschluss von zahlreichen psychiatrischen Patienten ganz besonders in ländlichen Versorgungsgebieten und im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der „Drehtür-Effekt“ in der stationären psychiatrischen Versorgung wird durch vermehrte Krankenhausaufnahme wieder verstärkt.“

Besonders kritisch sieht die Krankenhausgesellschaft Sachsen unter anderem die massive Einschränkung der Zugangsvoraussetzungen, die Einführung von Bewertungsskalen oder Scores zur Beschränkung der Patientengruppen auf schwere Erkrankungsformen, die Begrenzung der Behandlungsdiagnosen auf wenige Krankheitsbilder und den Ausschluss der Versorgung von Heimbewohnern und Behinderten mit Dauerarbeitsplätzen in Werkstätten.

Weitreichend nachteilige Konsequenzen für die psychiatrische Patientenversorgung im Freistaat Sachsen nicht auszuschließen. Die DKG geht davon aus, dass bei Durchsetzung der von KBV und GKV geforderten Restriktionen, eine Verringerung des Patientenklientel in den Psychiatrischen Institutsambulanzen um ca. 30% bis 50% zur Folge hat.

Aus Sicht der KGS hat sich die bisherige Vereinbarung mit einer praxisnahen Definition der Patientengruppen bewährt. Oberstes Gebot sollte weiterhin sein, die Leistungsfähigkeit der Psychiatrischen Institutsambulanz zur Vermeidung von Unterversorgung zu erhalten bzw. eine stabile ambulante, psychiatrische Versorgung zu gewährleisten.

Zur Erläuterung: Psychiatrische Institutsambulanzen sind ambulante Versorgungszentren in Krankenhäusern, die insbesondere psychiatrische Patienten behandeln, die wegen Art, Schwere, Dauer oder Entfernung keinen niedergelassenen Arzt erreichen können. Im Freistaat Sachsen versorgen derzeit 30 Psychiatrische Institutsambulanzen im Jahr ca. 80.000 Patienten.

Die Fallzahlen und Patientenkontakte in den Psychiatrischen Institutsambulanzen nehmen dabei stetig zu. Allein für den Bereich der Erwachsenenpsychiatrie ist von 2007 auf 2008 ein Fallzahlanstieg in Höhe von 23 % zu verzeichnen. Im gleichen Betrachtungszeitraum stieg die Inanspruchnahme der Psychiatrischen Institutsambulanzen für Kinder- und Jugendpsychiatrie um ca. 20 %. Ursächlich ist das zunehmende Wegbrechen der vertragsärztlichen psychiatrischen Versorgung insbesondere in den ländlichen Versorgungsräumen zu nennen. Die Wartezeiten für eine Erstbehandlung oder Krisenintervention im niedergelassenen Bereich betragen teilweise 6-9 Monate. Patienten der Psychiatrischen Institutsambulanzen weisen häufig komplexe Erkrankungsbilder auf und sind selten wartezimmerfähig. Die Psychiatrischen Institutsambulanzen sind daher häufig die einzige Anlaufstelle für eine ambulante Konsultation. Darüber hinaus leisten die Psychiatrischen Institutsambulanzen im Freistaat Sachsen einen umfänglichen Anteil an der psychiatrischen Anteil an der psychiatrischen aufsuchenden Versorgung von Heimbewohnern.

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen (KGS) vertritt als Verband der Krankenhausträger die Interessen von 79 öffentlichen, frei-gemeinnützigen und privaten Krankenhäusern mit insgesamt 25.700 Krankenhausbetten. Satzungsgemäß hat sie die Aufgabe, auf „eine der Würde des Menschen verpflichtete, humane, bedarfsgerechte, leistungsfähige, wirtschaftliche und finanziell abgesicherte Versorgung durch eigenverantwortlich tätige Krankenhäuser mit pluraler Trägerstruktur hinzuwirken“.
 

Ansprechpartner:

Dr. Stephan Helm (Geschäftsführer) / Rene Schubert (Referent)
Krankenhausgesellschaft Sachsen, Humboldtstr. 2a, 04105 Leipzig
Telefon: 0341 98410-0,

Telefax: 0341 98410-25
Email: mail@kgs-online.de,

Internet: www.kgs-online.de